Greenwashing

Neue Nachhaltigkeitsgesetze und Regulierungen in 2026

Die EU und internationale Regulierungsbehörden haben bedeutende Fortschritte im Bereich Nachhaltigkeit und Umweltregulierung erzielt und ambitionierte Maßnahmen eingeführt, die Verbraucherinnen und Verbraucher stärken und Unternehmen stärker in die Verantwortung nehmen sollen. Mit dem Blick auf das Jahr 2026 nähert sich die Gesellschaft ökologischen Kipppunkten, was diesen Zeitraum zu einem entscheidenden Moment für Veränderung macht.

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Durch stärkere Regulierungsrahmen und informiertere Kaufentscheidungen werden die Beauty-, Fashion- und Design-Industrien dazu gedrängt, sich in Richtung Systeme zu entwickeln, die Transparenz, Verantwortung und langfristige Wirkung in den Mittelpunkt stellen. Luxiders hat bereits Veränderungen durch neue Gesetze in der Mode beleuchtet. Dieser Artikel erweitert das Thema nun auch auf den Beauty- und Designbereich.

Neue Nachhaltigkeitsgesetze und Regulierungen im Beauty-Bereich

Im Beauty-Sektor treten strengere Regelungen in Kraft, die gezielt auf potenziell schädliche Stoffe abzielen. Frankreich wird ab Januar 2026 PFAS in bestimmten Produktkategorien verbieten, darunter Kosmetik. PFAS, oft als „forever chemicals“ bezeichnet, sind extrem persistent, reichern sich in Umweltmedien wie Wasser und Böden an und werden mit schweren Gesundheitsrisiken in Verbindung gebracht, darunter Krebs und endokrine Störungen. Der Schritt signalisiert einen klaren Richtungswechsel: Formulierungen und Sicherheitsbewertungen in der Kosmetik werden künftig deutlich strenger entlang messbarer Risiken gedacht.

Auch im Vereinigten Königreich werden die kosmetikrechtlichen Vorgaben ab Mitte 2026 verschärft. Nach dem Entwurf der Cosmetic Products (Restriction of Chemical Substances) Regulations 2026 soll Enzacamene als Bestandteil von UV-Filtern ab dem 15. Juli 2026 nicht mehr in Verkehr gebracht werden, mit einer Abverkaufsfrist bis zum 15. Januar 2027. Zusätzlich sollen bestimmte krebserzeugende, erbgutverändernde oder fortpflanzungsgefährdende Stoffe (CMR) schrittweise verboten werden. Für Produkte mit diesen Stoffen ist ein Stichtag für das Inverkehrbringen ab dem 15. August 2026 vorgesehen, mit einer Abverkaufsfrist bis zum 15. Februar 2027.

Parallel werden Kennzeichnungspflichten verschärft, insbesondere für Produkte, die Formaldehyd freisetzen. Ab dem 15. Juli 2026 sollen betroffene Produkte, sofern der Formaldehydgehalt im Endprodukt bestimmte Schwellen überschreitet, klarer auf der Verpackung gekennzeichnet werden. Zusammengenommen zielen diese Maßnahmen auf mehr Verbraucherschutz, höhere Transparenz und eine stärkere Rechenschaftspflicht der Marken bei Inhaltsstoffen und Claims.

Neue EU-Verordnung für nachhaltige Produkte

Ab 2026 setzt die EU mit der Ecodesign for Sustainable Products Regulation ein klares Signal gegen eine der verschwenderischsten Praktiken der Modebranche: die Vernichtung unverkaufter Ware. Konkret gilt ab dem 19. Juli 2026 für große Unternehmen ein Verbot, unverkaufte Bekleidung, Bekleidungsaccessoires und Schuhe zu zerstören. Statt Überproduktion als betriebswirtschaftliches Nebenprodukt zu akzeptieren, müssen Unternehmen zirkuläre Wege priorisieren, etwa Wiederverwendung, Reparatur, Weiterverkauf oder Spenden. Damit verschiebt sich der Fokus spürbar nach vorn: Wert entsteht nicht am Ende der Kette durch Entsorgung, sondern muss bereits im Design, in der Planung und im Bestandsmanagement verankert sein.

Für Konsumentinnen und Konsumenten kann das ebenfalls spürbare Folgen haben. Wenn Marken ihre Lagerbestände strenger steuern und Retourenströme reduzieren müssen, könnten sich Rückgabeprozesse verändern, etwa durch stärker differenzierte Rückgaberegeln oder kostenpflichtige Retouren. In einer stärker regulierten Modeökonomie wird bewusster Konsum damit nicht nur ein Wertethema, sondern Teil einer neuen, systemischen Logik.

Recycled Clothes

Regulierungen zu Transparenz und Greenwashing

Ab dem 27. September 2026 können EU-Verbraucherinnen und Verbraucher deutlich klarere Nachhaltigkeitskommunikation erwarten, wenn neue Anti-Greenwashing-Regeln vollständig in Kraft treten. Vage oder unbelegte Umweltaussagen werden untersagt. Begriffe wie „grün“ oder „net-zero“ dürfen nur noch verwendet werden, wenn sie durch überprüfbare und nachvollziehbare Belege gestützt sind. Damit wird Entscheidungsmacht an die Konsumentinnen und Konsumenten zurückgegeben, die ihre Wahl stärker auf Fakten stützen können statt auf Marketingformeln, die mehr versprechen als sie belegen.

Neue Nachhaltigkeitsgesetze und Regulierungen in der Modebranche

Für die Mode- und Luxusbranche markiert das Jahr 2026 den Übergang von freiwilligen Nachhaltigkeitsversprechen zu verbindlichen Standards. Regulierungen wie die Ecodesign for Sustainable Products Regulation (ESPR) verlangen künftig, dass Bekleidung und Textilien Kriterien in Bezug auf Langlebigkeit, Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit erfüllen. Der geplante Digitale Produktpass wird neue Ebenen der Rückverfolgbarkeit entlang der Lieferketten einführen. Systeme der erweiterten Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility) nehmen Marken zusätzlich für die Auswirkungen am Lebensende der von ihnen in Verkehr gebrachten Produkte in die Pflicht. Zusammengenommen fordern diese Maßnahmen die Branche dazu auf, zu entschleunigen, bewusster zu gestalten und Kreativität mit Verantwortung zu verbinden.

Für aufstrebende Beauty-, Design- und Modemarken ist es nicht länger optional, zu verstehen, wie diese Regulierungen jede Ebene des Geschäfts betreffen. Nachhaltigkeit von Beginn an in Lieferketten und Produktentwicklung zu integrieren, unterstützt nicht nur die langfristige Compliance, sondern spart auch Zeit, Ressourcen und Investitionen, wenn die gesetzlichen Anforderungen weiter verschärft werden. Die Zukunft wartet nicht auf Unternehmen, die sich dem Wandel verweigern. Umso wichtiger ist es, Konsumentinnen und Konsumenten darüber zu informieren, wie sich ihre Entscheidungen und Konsumgewohnheiten verändern werden.

 

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