
Paradies in Gefahr | Der Kampf zwischen Tourismus und Müll
Die Welt versinkt im Plastik – und ausgerechnet unsere beliebtesten Urlaubsparadiese tragen die Hauptlast. Orte, die einst für ihre traumhaften Strände und charmanten Gassen bekannt waren, drohen ihre Schönheit zu verlieren. Während der Kampf zwischen Tourismusindustrie und Müll weiter eskaliert, werfen wir einen Blick darauf, wie diese Paradiese ums Überleben kämpfen – und was wir tun können, um zu helfen.
Jedes Jahr produzieren wir 400 Millionen Tonnen Plastikmüll und verbrauchen bis zu fünf Billionen Plastiktüten. Touristische Hotspots – oft Inseln und kleine Städte – ersticken unter dem massiven Besucheransturm, der immer mehr Müll erzeugt und die lokalen Entsorgungssysteme überfordert. Leider bringen Touristen nicht nur Einnahmen, sondern auch Abfall, Umweltverschmutzung und eine erhöhte Nachfrage nach lokalen Ressourcen mit sich. Viele dieser Reiseziele kämpfen bereits mit einer schwachen Infrastruktur und können dem Druck kaum standhalten. Illegale Müllentsorgung, angespültes Plastik an den Stränden und fehlende Mittel zur Problembewältigung verschärfen die Lage zusätzlich. Touristen sollten sich der Belastung bewusst sein, die sie ihren Lieblingszielen zumuten. Nur so kann der Kampf zwischen Tourismus und Müll entschärft werden.

Sizilien, Italien
Die italienische Insel Sizilien steht vor einer schweren Abfallkrise. Besucher werden hier nicht nur von historischem Charme, sondern auch von Müllbergen empfangen. Besonders in Touristenhochburgen wie Syrakus und während der Hochsaison verschärft sich das Problem. Zu viele Menschen und zu wenige Mülleimer führen dazu, dass Plastik allgegenwärtig ist. Die Auswirkungen sind für Touristen bereits sichtbar – und die Lage verschlechtert sich weiter.
Doch nicht nur der Massentourismus trägt die Schuld. Auch die berüchtigte sizilianische Mafia spielt eine Rolle. Illegale Müllentsorgung, die oft mit mafiösen Strukturen in Verbindung steht, verschärft die Situation zusätzlich. So wird die Schönheit der Insel zunehmend von Abfall überschattet – mit negativen Folgen für die Umwelt und die Tourismusbranche.
BALI, INDONESIEN
Bali ist ein Juwel unter den indonesischen Inseln – bekannt für seine traumhaften Strände und lebendige Kultur. Doch dieser Ruf bringt auch eine Welle an Plastikverschmutzung mit sich. Obwohl Einwegplastik auf der Insel verboten ist und lokale Freiwillige täglich die Strände säubern, sind Balis Wasserwege weiterhin mit Müll verstopft. Der Kampf gegen die Verschmutzung betrifft nicht nur die Insel, sondern ganz Indonesien, das einige der am stärksten verschmutzten Flüsse der Welt beherbergt.
Besonders beliebte Touristenziele wie Kuta und Legian Beach leiden stark unter dem Müll – sowohl durch Abfälle, die Besucher hinterlassen, als auch durch Plastik, das aus dem Ozean angespült wird. Die große Zahl an Reisenden überfordert die lokalen Entsorgungssysteme, sodass selbst engagierte Organisationen und Freiwillige die Verschmutzung kaum noch eindämmen können.

SANTORIN, GRIECHENLAND
Santorin ist berühmt für seine Sonnenuntergänge und weiß getünchten Häuser. Doch hinter der Schönheit verbirgt sich eine düstere Realität: Die Insel kämpft mit einer überforderten Abfallinfrastruktur. Manche bezeichnen das Touristenparadies sogar als „die Insel des Mülls“. Die Wasserversorgung, das Abwassersystem und die Müllentsorgung stoßen an ihre Grenzen – und der Tourismus verschärft das Problem zusätzlich. Müllverbrennung ist eine gängige Methode zur Entsorgung, birgt jedoch erhebliche Gesundheitsrisiken. Hinzu kommt, dass illegale Müllentsorgung auf der Insel weit verbreitet ist. Für Santorin ist der Touristenansturm zugleich Segen und Fluch.
BORACAY, PHILIPPINEN
Im Jahr 2018 wurde Boracay, einer der schönsten Strände der Welt, für sechs Monate geschlossen – Grund war eine massive Umweltzerstörung. Müllverschmutzung und unsachgemäße Abwasserentsorgung verwandelten das Paradies in eine Katastrophenzone. Die Insel produziert täglich bis zu 115 Tonnen Müll, aber ihre Infrastruktur kann nur einen Bruchteil davon bewältigen. Korruption und Missmanagement verschärfen die Lage zusätzlich. Doch auch der Tourismus spielt eine Rolle. Überbevölkerung, angetrieben durch die Aussicht auf Tourismus-Einnahmen, belastet die Ressourcen der Insel weiter. Lokale Unternehmen entsorgen Abfälle häufig unsachgemäß und auch Touristen werfen ihren Müll achtlos auf die Straße.
VENEDIG, ITALIEN
Venedig ist berühmt für seine Kanäle, doch diese ikonischen Wasserstraßen haben sich zunehmend in Müllhalden verwandelt. Plastikabfälle landen direkt in den Kanälen – sei es durch den Wind oder schlecht entsorgten Müll. Die malerischen Gassen und Wasserwege sind mittlerweile voller Plastik und bedrohen den Charme der Stadt. Italien und die EU versuchen zu helfen, etwa durch Initiativen wie der Aufforderung an Touristen, Wasser aus öffentlichen Brunnen zu trinken, um Plastikflaschen zu vermeiden. Doch diese Maßnahmen allein reichen nicht aus. Auch die Besucher müssen ihren Teil beitragen, um Venedig als schöne Stadt zu bewahren.


WAS KÖNNEN WIR TUN?
Diese Paradiese rufen um Hilfe – und Touristen tragen einen großen Teil der Verantwortung. Als Reisende ist es leicht, einen Unterschied zu machen und diesen Städten zu helfen, ohne auf den Urlaub zu verzichten. Beginne damit, den Gebrauch von Einwegplastik zu reduzieren und trage wiederverwendbare Taschen, Flaschen und Behälter bei dir. Zeige Respekt, indem du dich an die örtlichen Vorschriften zur Abfallentsorgung hältst und Unternehmen unterstützt, die nachhaltiges Abfallmanagement praktizieren. Überlege auch, bei lokalen Aufräumaktionen mitzumachen – viele Organisationen freuen sich über die Unterstützung von Touristen. Kläre andere auf, indem du das Bewusstsein für die Auswirkungen von Müll auf diese wunderschönen Reiseziele schärfst. Mit bewussten Entscheidungen können wir dazu beitragen, die Schönheit dieser Paradiese für kommende Generationen zu bewahren.
+ Highlight Image: ©Dustin Woodhouse Via Unsplash