Sustainable Luxury: der neue Nachhaltigkeitsbericht 2019 von Swarovski

 

 

In den letzten 10 Jahren hat sich Swarovski mit Fragen der sozialen Verantwortung von Unternehmen und der Nachhaltigkeit befasst. 2010 veröffentlichte das Unternehmen erstmals einen C.S.R-Bericht und ab 2013 veröffentlicht das Unternehmen alle zwei Jahre einen detaillierten Nachhaltigkeitsbericht, in dem Strategie und Maßnahmen zu diesem Thema erläutert werden. 2017 haben sie ihre Nachhaltigkeitsstrategie erneuert und sie basiert nunmehr auf fünf strategischen Prioritäten, die die Bereiche darstellen, in denen Swarovski die positivsten Auswirkungen erzielen möchte. Die Bereiche sind Frauenförderung, Wasserverantwortung, faire Partnerschaften, bewusstes Design und nachhaltige Innovation. Um ihre Nachhaltigkeitsstrategie umzusetzen, entwickelte das Unternehmen eine Reihe von Initiativen und Programme. Nach Ansicht des Unternehmens liegt dieser Strategie nicht nur das Wohl der Mitarbeiter am Herzen, sondern auch das der Umwelt und der Gesellschaft insgesamt.

In dem Bericht hebt das Unternehmen die Bedeutung der Zusammenarbeit und die Notwendigkeit von Partnerschaften zwischen Einzelpersonen, Unternehmen und Organisationen hervor, um gemeinsam Lösungen für Themen wie Klimawandel, soziale Ungleichheit und Erschöpfung der natürlichen Ressourcen zu finden. Das Unternehmen kooperiert mit globalen Initiativen wie den UN Global Compact, die Women’s Empowerment Principles, den World Economic Forum Compact für Responsive and Responsible Leadership zur  Erreichung der UN Sustainable Development Goals (SDGs), um positive Auswirkungen zu erzielen.

Eines der Ziele des Unternehmens ist es, über ein positives Produktionsprogramm Nachhaltigkeitsexzellenz bis 2020 in allen Produktionsstandorten von Swarovski sicherzustellen. Es basiert auf der Vorstellung, dass das Unternehmen innerhalb seiner eigenen Wertschöpfungskette einen großen Unterschied machen kann.

Zum Beispiel fordern sie die höchstmöglichen Standards für Ihre Produktionsstandorte, erhöhen die Transparenz und verbessern die Art und Weise, wie die Nachhaltigkeitsleistung gemessen werden. Ferner arbeiten sie mit Mitarbeitern zusammen, um die Herausforderungen der lokalen Gemeinschaft und der Umwelt zu verstehen und Lösungen zu finden, um sie anzugehen. All diese Maßnahmen werden unter Berücksichtigung des lokalen Kontexts der Lieferkette durchgeführt, um die Lösungen besser an den jeweiligen Ort anzupassen und interne Stakeholder und häufig auch lokale NGOs einzubeziehen.

Frauenförderung

Die Mehrheit der Kunden von Swarovski und 77% der Belegschaft sind Frauen, was es zu einem übergeordneten Thema auf der Agenda des Unternehmens macht. Das Unternehmen arbeitet nach den UN-Grundsätzen zur Stärkung der Rolle der Frau, um die Gleichstellung der Geschlechter zu erreichen.

Im Jahr 2018 initiierte Swarovski zusammen mit BSR (Business for Social Responsibility) die erste Multi-Stakeholder-Untersuchung zum Thema Frauenförderung. Durch diese Partnerschaft unterstützte Swarovski die Produktion eines aufschlussreichen, vom BSR verfassten und veröffentlichten White Papers zu den entsprechenden Frauen betreffenden Themen, wie dem Mangel an formellen Beschäftigungsmöglichkeiten, Frauenunterbesetzung in Führungspositionen und Mangel an weiblichen Vorbildern, niedrige Löhne und schlechte Arbeitsbedingungen, Gefährdung von Gesundheit und Sicherheit und einem niedrigen Bildungsniveaus, das das Risiko von sexueller Belästigung und geschlechtsspezifischer Gewalt erhöht.

Nachdem diese Hindernisse im Bericht genannt wurden, führte das Unternehmen eine Fallstudie durch, um diese Probleme zu lösen und herauszufinden, wie Frauen sich im Unternehmen sicherer, geschätzter und gestärkter fühlen können. Die Fallstudie wurde in China bei einem der wichtigsten Zulieferer des Unternehmens durchgeführt und beleuchtete, wie man die Gesundheit am Arbeitsplatz und die finanzielle Inklusion angehen kann sowie wie man das volle Potenzial von Frauen am besten freizusetzen vermag. 

Wasserverwaltung

Wasser ist eine wichtige Ressource für Swarovski-Kristalle, Edelsteine und Schmuck. Da Wasser jedoch zu einer knappen Ressource wird, begann das Unternehmen, die Wiederverwendung von Wasser in seiner Wertschöpfungskette besser zu planen und umzusetzen. Heute werden 76% des gesamten Wasserverbrauchs der weltweiten Produktionsstandorte des Unternehmens recycelt. In Wattens, Österreich, werden 99% des Wassers aus dem Kristallschneideprozess durch eine geschlossene Abwasseranlage gereinigt und recycelt.

Das Unternehmen entschloss sich, an zwei der vielen Unternehmensstandorte in Thailand und Plattsburgh, USA, Pilotprogramme zur Wasserverwaltung durchzuführen. In diesen Regionen arbeiteten sie mit lokalen Behörden, Nichtregierungsorganisationen und Gemeinden, einschließlich Mitarbeitern und deren Familien, zusammen, um die Herausforderungen und die potenziellen kontextbezogenen Maßnahmen und Interventionen, besser zu verstehen. In Thailand zielt das Projekt darauf ab, die Widerstandsfähigkeit des Unternehmens gegenüber Umweltgefahren zu stärken und es Swarovski-Kollegen zu ermöglichen, ihre Gemeinden bei der Vorbereitung auf die Auswirkungen des Klimawandels zu unterstützen. Die Idee hinter der Partnerschaft ist, eine Resilienz der umliegenden Gemeinden herzustellen.

 

Im weiteren Sinne entwickelte das Unternehmen mit der Swarovski Waterschool ein Water Stewardship-Programm. Ziel ist es, gegenwärtige und zukünftige Generationen zu einer nachhaltigen Wassernutzung zu motivieren, um langfristige gesundheitliche Vorteile und die Verfügbarkeit von sauberem Wasser für alle zu gewährleisten.

 
 

 

Faire Partnerschaften

Nach der Vision von Swarovski bedeutet faire Partnerschaft, die Mitarbeiter des Unternehmens, die Zulieferer und deren Betreiber, die Gemeinden rund um die Produktionsstätten und NGOs mit in die Prozesse einzubeziehen. Im Rahmen eines positiven Produktionsprogramms hat das Unternehmen Mitarbeiter, Management und NGOs in Indien, Vietnam und Thailand konsultiert, um die spezifischen Herausforderungen und Chancen an diesen Standorten zu ermitteln. Durch diesen Austausch erfuhr das Unternehmen, dass es je nach Standort unterschiedliche Themen gibt, die die Belegschaft beschäftigen. Vom persönlichen Finanzmanagement über Umweltverschmutzung und andere extreme Klimaereignisse bis hin zu gesundheitlichen Problemen.

Das Unternehmen hat im Jahr 2014 eine Initiative zur verantwortungsvollen Beschaffung entwickelt, um die Leistung seiner Lieferanten zu überwachen und sie dabei zu unterstützen, ihre Arbeitsbedingungen besser zu verwalten. Mittlerweile hat das Unternehmen fast 200 Audits in 9 Ländern durchgeführt, in denen die Lieferanten ansässig sind, und mehr als 50.000 Menschen erreicht. Je reifer die Initiative für verantwortungsbewusstes Sourcing wird, desto besser kann das Unternehmen die Arbeitspraktiken in der Lieferkette überwachen und verbessern und ihre Lieferanten eng unterstützen, um eine kontinuierliche Verbesserung voranzutreiben.

 

Bewusstes Design

Bewusstes Design bedeutet, Prinzipien der Zirkularität zu übernehmen und Abfall als Ressource entsprechend der Unternehmensvision zu verstehen. Man arbeitet eng mit Designschulen zusammen, die künftige Generationen talentierter Designer und Unternehmensleiter dazu inspirieren, diese Prinzipien durch Design in die Praxis umzusetzen, um den Wandel zu katalysieren. Bei Central Saint Martins, mit dem man seit 2001 zusammenarbeitet, arbeitetet man an verschiedenen Projektthemen rund um Nachhaltigkeit. Im Jahr 2017 ermutigte das gemeinsame Projekt Schmuckstudenten, kulturelle, ethische und ökologische Verluste in der Herstellung zu berücksichtigen, während man Schmuck mit Swarovski Upcycled Crystals herstellte. Das Projekt „Old Stock: New Jewellery’“ aus dem Jahr 2018 forderte die Schüler auf, unverkauften fertigen Swarovski-Schmuck und Ornamente zu zerlegen und in neue Stücke umzuwandeln, damit die Schüler Ansätze für zirkuläres Design besser verstehen und den Wert in bereits vorhandenen Materialien wertschätzen lernen. 

 

Nachhaltige Innovation

Während bahnbrechende Innovationen das Potenzial haben, die kollektive Zukunft der Welt zu revolutionieren, müssen Unternehmen in der Zwischenzeit handeln. In der Wattens-Fabrik des Unternehmens wurde in neue Brenner investiert, die Kristallglas schmelzen, wodurch der Energieverbrauch und die Kohlenstoffemissionen im Vergleich zu herkömmlichen Prozessen erheblich gesenkt werden. Das Unternehmen untersucht auch mehrere Abfallströme für das Recycling. In Indien wenden sie ein innovatives Brennverfahren an, bei dem das Abfallmaterial aus der Herstellung von Kristallperlen zur Wiederverwendung in recycelte Rohperlen umgewandelt wird. Bei der Verarbeitung der Kristalle kommen neue Innovationen zum Einsatz, die den Verbrauch von Chemikalien, Energie und Wärme minimieren, sowie die neue Spritzgusstechnologie für die Glasfabriken, die den Glasabfall um 50% reduzieren.

 

Das Unternehmen konzentriert sich ebenfalls auf seine Verpackungen, indem es die Menge der Verpackungen aus gemischten Materialien reduziert und gleichzeitig die Recyclingfähigkeit der Verpackungen erhöht. Sie wurden durch neue Kartonversionen ersetzt, für die kein Klebstoff erforderlich ist. Da fast 160.000 Kartons pro Jahr versandt werden - ist es eine umweltfreundliche Maßnahme. Das Unternehmen erweitert den Zertifizierungsumfang seiner Lieferkette und zielt darauf ab, jeden Schritt auf diesem Weg zu zertifizieren.

Im Frühjahr 2018 lancierte Atelier Swarovski eine neue Kollektion: edler Schmuck aus Fairtrade-Gold. Das neue Sortiment umfasste sowohl Swarovski Created Diamonds als auch Smaragde aus dem Laboranbau. Man verpflichtete sich, verantwortungsbewusstes Gold in zukünftigen Schmuckkollektionen zu verwenden. Swarovski stellte damit Diamanten her, die mit abgebauten Diamanten identisch sind. Der einzige Unterschied besteht darin, dass sie aus einem Labor stammen und nicht aus der Erde.

Nach dem Lesen dieses Berichts gibt es zwei Hauptschlussfolgerungen, die hervorgehoben werden sollten. Erstens ist es auf jeden Fall beeindruckend, was Swarovski bereits tut und anstrebt, um die negativen Auswirkungen von Herstellung und Produktion auf ein Mindestmaß zu beschränken. Die Programme, Kooperationen und Schulen, die ihre Nachhaltigkeitsstrategie und ihren Aktionsplan leiten, sind beeindruckend. Die zweite ist, dass im Kontext der heutigen Realität all diese Anstrengungen möglicherweise nicht ausreichen. Wie viele Führungskräfte aus der nachhaltigen Szene (wie Orsola De Castro, Livia Firth und andere) in den letzten Monaten bei öffentlichen Veranstaltungen sagten, müssen wir viel schneller agieren. Der Privatsektor muss viel mutiger sein, Risiken eingehen und authentischer sein, um die momentan instabilen Turbulenzen zu überstehen.

+ info: Swarovski

 
 

+ Text: Danielle Keller Aviram

Danielle Keller Aviram ist eine nachhaltige Schmuck- und Modeforscherin, Beraterin und Designerin. Nach ihrem Bachelor of Arts in Schmuck- und Accessoire-Design in "Shenkar" Tel Aviv absolvierte sie einen Master of Arts mit dem Schwerpunkt Nachhaltigkeit in Mode bei AMD Berlin. Nach ihrem Abschluss als Bachelor of Arts hatte sie 5 Jahre lang eine eigene internationale Schmuckmarke.

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