conservative fashion trend

Der Aufstieg des Konservatismus spiegelt sich in den neuesten Modetrends wider

Spiegelt sich der politische Rechtsruck in den aktuellen Modetrends wider? Weltweit lässt sich ein Erstarken konservativer Strömungen beobachten. Gleichzeitig erfreuen sich die Old-Money-Ästhetik, neutrale Farbtöne und luxuriöse Modetrends wachsender Beliebtheit. Wie hängen diese Entwicklungen zusammen? Und auf welche Weise haben sich politische Strömungen im Laufe der Geschichte in der Mode widergespiegelt?

Um den Luxiders Newsletter zu erhalten, melde dich hier an.

Der weltweite Aufstieg des Konservatismus

Im vergangenen Jahrzehnt wurden bedeutende Fortschritte bei der Überwindung traditionell konservativer gesellschaftlicher Vorstellungen erzielt. Seit 2016 wurde die gleichgeschlechtliche Ehe in 20 Ländern legalisiert. Das geschlechtsspezifische Lohngefälle in Europa verringerte sich zwischen 2016 und 2024 um vier Prozent. Immer mehr Menschen wenden sich von überlieferten Rollenbildern ab, etwa der Vorstellung der Frau als „Tradwife“, die sich ausschließlich Haushalt und Familie widmet, oder der Beschäftigung von Frauen in schlecht bezahlten Berufen. Gleichzeitig entwickeln jedoch immer mehr junge Menschen konservative Überzeugungen und politische Einstellungen. Auch in der Mode zeichnet sich ein Wandel ab: Leuchtende Farben, kurze Crop-Tops und High Heels, die Mitte bis Ende der 2010er-Jahre besonders angesagt waren, stehen heute nicht mehr im Mittelpunkt der Trends.

Im Juli 2024 ergab eine weltweite Umfrage, dass ein Drittel der Befragten in den USA das Gefühl hatte, zunehmend konservativer zu werden. Dieser Anteil lag über dem derjenigen, die angaben, progressivere Einstellungen zu entwickeln. Auch in Deutschland bezeichneten sich mehr Befragte als zunehmend konservativ (21 %) denn als zunehmend progressiv (15 %). In Japan zeigten sich ähnliche Ergebnisse.

Globale Ereignisse wie die Covid-19-Pandemie sowie politische Entscheidungen im Gesundheits- und Bildungswesen könnten zu diesem Wandel gesellschaftlicher Einstellungen beigetragen haben. Parallel zum Erstarken konservativer Strömungen haben auch die Old-Money-Ästhetik, luxuriöse Mode und ein zunehmend konservativ geprägter Kleidungsstil die aktuellen Modetrends erobert.

conservative fashion trend
@ Rosa Rafael via Unsplash

Mode: Wie hängen aktuelle Trends mit dem Konservatismus zusammen?

Der Aufstieg bestimmter Modetrends und Ästhetiken wie „Old Money“, „Tradwife“ oder „Cottagecore“ kann Klassismus, Rassismus und eine eingeschränkte persönliche Identität oder Individualität in der Kleidung fördern. Diese Entwicklungen weisen Parallelen zu zahlreichen traditionellen oder überholten konservativen Wertvorstellungen auf. Die Old-Money-Ästhetik zeichnet sich durch elegante, gepflegte und luxuriös wirkende Kleidung aus. Dahinter steht die Idee, den Eindruck zu vermitteln, wohlhabend zu sein und einer Familie anzugehören, deren Vermögen über Generationen hinweg weitergegeben wurde. Daher auch die Bezeichnung „Old Money“. Die Vorstellung von ererbtem Wohlstand ist jedoch historisch auch mit weißer Vorherrschaft und der Ausbeutung der Arbeiterklasse verbunden. Tragen diese Modetrends dazu bei, Vorstellungen weißer Überlegenheit aufrechtzuerhalten? Können Menschen aus der Arbeiterklasse oder People of Colour gleichermaßen an diesen Trends teilhaben? Oder spiegeln diese Ästhetiken vor allem konservative Werte wider?

Diese Abwertung der Arbeiterklasse lässt sich mittlerweile auch in den Designs zahlreicher Fast-Fashion-Marken beobachten. Pretty Little Thing, die früher für ihre leuchtenden Farben bekannte Fast-Fashion-Marke, verzeichnet monatlich Millionen von Websitebesuchen. Vor Kurzem hat sich der Onlinehändler einem Rebranding unterzogen. Während die Website früher in kräftigem Pink gestaltet war und eine große Vielfalt an Farben und Outfits präsentierte, steht heute eine „Quiet Luxury“-Ästhetik im Mittelpunkt. Die Outfits bestehen überwiegend aus neutralen Farbtönen und orientieren sich an der Old-Money-Ästhetik sowie aktuellen Luxusmodetrends. War dies ein Versuch, Menschen aus der Arbeiterklasse ein luxuriöseres Erscheinungsbild zu ermöglichen? Könnte ihnen dieser Stil den Zugang zu einer Modeästhetik eröffnen, die traditionell mit Wohlstand und konservativen Wertvorstellungen verbunden wird?

Viele Modemarken setzen in ihren aktuellen Kollektionen verstärkt auf neutrale Farben. Diese Designs symbolisieren Minimalismus und Luxus und entsprechen damit einem eher konservativen Geschmack. Eine aktuelle Studie zeigte, dass Konsumentinnen und Konsumenten der Generation Z besonders empfänglich für Farben sind, die Identität, Luxus und Minimalismus vermitteln. Aus diesem Grund entschieden sich zahlreiche Marken für neutrale Farbtöne wie Schwarz, Beige, Weiß und Grau, sowohl in ihren Kollektionen als auch bei der Gestaltung ihrer Websites. Für die Befragten standen diese Farben für Luxus und Minimalismus. Der Kauf solcher Produkte ermöglichte es ihnen, an aktuellen Luxusmodetrends teilzuhaben, und verstärkte zugleich die Präsenz der Old-Money-Ästhetik in der Modewelt.

Auch andere Modetrends wie bodenlange Röcke, Kitten Heels oder längere Crop-Tops erfreuen sich seit Anfang bis Mitte der 2020er-Jahre wachsender Beliebtheit. Stehen diese Entwicklungen mit bestimmten Ideologien und ästhetischen Vorstellungen in Verbindung? Die „Cottagecore“-Ästhetik inszeniert Frauen in langen, geblümten Kleidern, die ihre Tage mit Kochen und entspannten Stunden in einem idyllischen Häuschen im Wald verbringen. Ähnlich verhält es sich mit dem Aufstieg der „Tradwife“-Ästhetik, die Frauen bei traditionell konservativ geprägten häuslichen Tätigkeiten wie Kochen und Putzen zeigt. Auch die dazugehörige Mode erinnert an vergangene Jahrzehnte, mit niedrigen Absätzen, langen Röcken und Karomustern. Geht es bei diesen Trends tatsächlich nur um persönliche Modevorlieben? Oder spiegeln sie vielmehr konservative Vorstellungen wider, die auf die Bewahrung traditioneller Werte und Rollenbilder ausgerichtet sind?

conservative fashion trend
@ Reistor via Unsplash

Die Geschichte politischer Statements in der Mode

Stehen diese Modetrends tatsächlich im Zusammenhang mit dem Aufstieg des Konservatismus? Ein Blick in die Geschichte legt nahe, dass dies kein Zufall sein muss. Seit jeher wird Mode von politischen Entwicklungen geprägt. Auch heute könnte dieser Zusammenhang erklären, weshalb sich aktuelle Modetrends zunehmend an konservativen Wertvorstellungen orientieren.

Der Aufstieg von Denim in der Mode fiel mit der Verbreitung liberaler Ideale wie der Gleichstellung der Geschlechter und der ethnischen Gleichberechtigung zusammen. Ursprünglich waren Denimstoffe, insbesondere Jeans, Bestandteil der Arbeitskleidung von Bergarbeitern und galten als typische Kleidung der Arbeiterklasse. Als in Nordamerika Protestbewegungen gegen Rassismus und für die Befreiung der Frau entstanden, entschieden sich viele Demonstrierende bewusst für bequeme Jeans, anstatt in ihrer „besten“ Kleidung auf die Straße zu gehen. Denim entwickelte sich so zu einem modischen Symbol linker politischer Bewegungen.

Im Jahr 1931 propagierte die ungarische Zeitschrift Muskátli, auf Deutsch „Geranie“, eine Mode, die mit den politischen Vorstellungen Ungarns im Einklang stand. Gleichzeitig vermittelte das Magazin Frauen Anleitungen zum Nähen und Sticken und trug damit zur Bewahrung traditioneller Geschlechterrollen bei. Auch Klára Tüdős, eine der bekanntesten ungarischen Modedesignerinnen der Zwischenkriegszeit, griff in ihren Entwürfen auf eine elitäre Modeästhetik zurück. Um ihre rechtsgerichteten politischen Überzeugungen zum Ausdruck zu bringen, integrierte sie Elemente der Kleidung gesellschaftlicher Oberschichten in ihre Kreationen. Ihre mit traditionellen ungarischen Stickereien verzierten Kleider waren beispielsweise von festlichen ungarischen Galakleidern inspiriert. Ihre Entwürfe zählten zu den einflussreichsten Modekreationen der ungarischen Zwischenkriegszeit.

Wiederholt sich die Geschichte also lediglich? Vorherrschende politische Strömungen haben immer wieder Einfluss auf die Entwicklung von Modetrends genommen. Das Erstarken des Konservatismus könnte dazu beigetragen haben, dass farbenfrohe und vielfältige Kleidungsstile zunehmend einer zurückhaltenderen Ästhetik weichen, die Luxus, ererbten Wohlstand und digitale Trends wie „Cottagecore“ und „Tradwife“ in den Mittelpunkt stellt. Werden zukünftige politische Entwicklungen erneut verändern, wie wir uns kleiden?

conservative fashion trend
@ Debby Ledet via Unsplash

Highlight Image:
@ Laura Chouette via Unsplash

This site is registered on wpml.org as a development site. Switch to a production site key to remove this banner.