Architecture built using environmental psychology

Die perfekte Stadt: Wie Umweltpsychologie und Stadtplanung unser Wohlbefinden verbessern können

Was wäre, wenn die Orte, an denen wir leben, tatsächlich dazu beitragen könnten, dass wir uns besser fühlen? Während Städte immer dichter, schneller und stärker von der Natur abgekoppelt werden, zeigt die Umweltpsychologie, wie Stadtplanung unsere psychische Gesundheit und unser Wohlbefinden beeinflussen kann. Bäume und Grünflächen, fußgängerfreundliche Straßen, natürliches Licht, ruhigere Gebäude und sogar die Muster, die uns umgeben, können sich darauf auswirken, wie wir uns fühlen. Was würde also geschehen, wenn wir eine Stadt entwerfen würden, die sich sowohl am Planeten als auch an den Bedürfnissen des menschlichen Geistes orientiert?

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Mit der fortschreitenden Urbanisierung wird die Frage, wie sich das Stadtleben auf die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden auswirkt, immer wichtiger. Unser Lebensstil spielt dabei eine Rolle, ebenso wie die Umgebung, in der wir leben. Die Umweltpsychologie untersucht die Beziehung zwischen Menschen und ihrer Umwelt. Sie liefert Erkenntnisse darüber, wie urbane Räume sowohl das psychische als auch das körperliche Wohlbefinden fördern können. Der Zugang zur Natur, fußgängerfreundliche Wohnviertel, natürliches Licht, biophiles Design und eine geringere Lärmbelastung gehören zu den Elementen der Stadtplanung, die zu gesünderen und nachhaltigeren Städten beitragen können.

Die Welt wird von Jahr zu Jahr urbaner. Mehr als 55 % der Weltbevölkerung leben in städtischen Gebieten. Bis 2050 soll dieser Anteil auf 68 % steigen. Menschen entscheiden sich aufgrund der wirtschaftlichen Möglichkeiten, der Arbeitsplätze, der kulturellen Angebote und der meist besseren Verkehrsanbindung im Vergleich zu ländlichen Regionen für das Leben in der Stadt. Dort haben sie in der Regel auch einen besseren Zugang zu Gesundheitsversorgung und Bildung. Daten des Community Life Survey zeigen jedoch, dass sich Menschen in städtischen Gebieten häufiger einsam fühlen (7 %) als Menschen auf dem Land (5 %).

Ein Umzug in eine ländliche Region kann jedoch finanzielle Einbußen, längere Arbeitswege oder einen eingeschränkten Zugang zu kulturellen Angeboten mit sich bringen. Die umweltpsychologische Forschung untersucht deshalb, welche zentralen Aspekte unseres Lebensumfelds das psychische und körperliche Wohlbefinden fördern. Werden diese Elemente in Städten und Gemeinden berücksichtigt, kann dies möglicherweise Einsamkeitsgefühle verringern und das subjektive Wohlbefinden steigern.

„Wir beeinflussen unsere Umwelt, und unsere Umwelt beeinflusst uns.“
– Ethan McMahan, Umweltpsychologe.

Die Kraft der Natur: Mehr Natur in urbanen Räumen

Was wäre, wenn mehr Natur in den Städten dazu beitragen könnte, dass wir uns besser fühlen? Die Verbindung zur Natur kann bereits dadurch gestärkt werden, dass wir in der Nähe von Bäumen, Grünflächen oder öffentlichen Parks leben. Der Zugang zu Natur, die wir berühren, sehen, hören und riechen können, hilft uns dabei, neue Kraft zu schöpfen und zur Ruhe zu kommen. Die Natur schafft einen Gegenpol zur Reizüberflutung und zur ständigen Hektik des städtischen Alltags.

Überfüllung, Lärm und andere Bedingungen des Stadtlebens können das Risiko für psychische Erkrankungen wie Angststörungen oder Depressionen erhöhen. Das Leben in Vororten wird hingegen mit mehr Zufriedenheit, einem stärkeren Gefühl von Sinnhaftigkeit und einer höheren Lebenszufriedenheit in Verbindung gebracht. Bäume, Sträucher und andere Pflanzen beeinflussen die Qualität unserer Luft. Bäume fangen Schadstoffe und schädliche Gase an ihren Oberflächen auf und nehmen sie über ihre Blätter auf. Dadurch verringern sie die Konzentration von Schadgasen und Feinstaub und tragen zur Reduzierung der Luftverschmutzung bei. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation atmen 91 % der Menschen in städtischen Gebieten verschmutzte Luft.

Was geschieht, wenn wir langfristig verschmutzte Luft einatmen? Sie kann das Risiko für Schlaganfälle, Herzerkrankungen und Lungenkrebs erhöhen. Luftverschmutzung kann sich auf fast jedes Organ des Körpers auswirken. Bereits eine so einfache Maßnahme wie das Pflanzen von Bäumen in Städten kann die Luftqualität erheblich verbessern und damit möglicherweise das Erkrankungsrisiko der Bevölkerung senken.

Die Natur bietet in Städten noch weitere Vorteile. Pflanzen und insbesondere Bäume wirken im Sommer wie eine natürliche Klimaanlage, indem sie Gebäude beschatten und urbane Räume kühler halten. Das hilft Städten auch dabei, mit den weltweit steigenden Temperaturen umzugehen. Gleichzeitig sinkt der Energiebedarf, was wiederum die Luftverschmutzung verringern könnte. Einfache Maßnahmen wie das Pflanzen von Bäumen und anderen Gewächsen in urbanen Gebieten können die Lebensqualität der Stadtbewohner:innen deutlich verbessern.

Räume, in denen Menschen ihre Umgebung mit allen Sinnen erleben können, sind für die Verbundenheit mit der Umwelt und die psychische Erholung besonders wichtig. Um Gesundheit und Wohlbefinden in der „perfekten Stadt“ zu fördern, sollten Menschen in der Nähe ihres Zuhauses Zugang zu Grünflächen wie öffentlichen Gärten und Wäldern oder zu Erholungsräumen haben, in denen sie barfuß laufen können, etwa an Stränden. In einem aktuellen Experiment gingen die Teilnehmer:innen in einem öffentlichen Garten und an einem Strand entweder barfuß oder mit Schuhen spazieren. Die barfuß gehenden Personen berichteten von einer stärkeren Verbundenheit mit ihrer Umgebung. Orte, an denen Menschen barfuß durch die Natur gehen können, fördern das Gefühl der Verbundenheit und die psychische Erholung. Dies ist besonders in Gebieten wichtig, in denen Angststörungen und Depressionen zunehmen, etwa in Städten.

A sustainable city with people biking
@ Ümit Yıldırım via Unsplash

Subtil angeregte und automatische Bewegung

Je mehr wir uns bewegen, desto mehr Serotonin schüttet unser Körper aus. Im hektischen Stadtalltag kann es jedoch schwierig sein, regelmäßig Sport zu treiben. Fitnessstudios sind häufig überfüllt, und viele Menschen haben einen vollen Terminkalender. Was wäre, wenn alle wichtigen Orte schnell erreichbar wären? Die Bewohner:innen wären nicht auf das Auto angewiesen, sondern könnten zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren – und sich bewegen, ohne bewusst Sport zu treiben. Sie wären körperlich gesünder, ohne gezielt darauf hinzuarbeiten, denn die Bewegung wäre notwendig, um ihre alltäglichen Ziele zu erreichen.

Wenn öffentliche Verkehrsmittel und Einrichtungen wie Lebensmittelgeschäfte und Grünflächen nur kurze Fußwege voneinander entfernt sind, entscheiden sich Menschen eher fürs Gehen als fürs Autofahren. Daten aus einer landesweiten US-amerikanischen Untersuchung zeigen, dass ein Umzug aus einer weniger fußgängerfreundlichen Gegend in eine fußgängerfreundlichere Stadt die tägliche Schrittzahl im Durchschnitt um 1.100 Schritte erhöhte. Dies verringerte wiederum das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und kognitive Beeinträchtigungen und förderte das Wohlbefinden. Eine solche Stadtplanung kann den Verkehr und damit die Lärmbelastung reduzieren. Gleichzeitig bringt sie die Bevölkerung in Bewegung, fördert soziale Kontakte und stärkt das Gemeinschaftsgefühl.

Ähnliches gilt für Städte, in denen viele Menschen mit dem Fahrrad fahren. Neben kurzen Wegen zu wichtigen Einrichtungen müssen weitere Faktoren berücksichtigt werden, um das Radfahren und Zufußgehen zu fördern. Eine Studie aus dem Jahr 2010 ergab, dass mehr Fahrrad- und weniger Autofahrten mit einer geringeren Anzahl von Steigungen, Autobahnen und Hauptverkehrsstraßen sowie mit speziellen Ampeln für Radfahrer:innen, einer höheren Kreuzungsdichte, breiten Radwegen und einer guten Fahrradbeschilderung verbunden waren. Zusammengenommen können diese Faktoren eine automatische oder subtil angeregte Bewegung fördern. Dadurch bewegen sich Menschen mehr, kommen miteinander in Kontakt und bauen engere soziale Beziehungen auf.

A leaf with fractals
@ Mikita Karasiou via Unsplash

Sensorische und ökologische Infrastruktur

Der Umweltpsychologie zufolge kann die Gestaltung der Gebäude um uns herum beeinflussen, wie wir uns fühlen. Bestimmte Gestaltungselemente können entspannend oder entlastend wirken und dadurch das Wohlbefinden fördern. In vielen Städten werden solche Erkenntnisse jedoch nicht berücksichtigt. Häufig liegt der Schwerpunkt darauf, möglichst vielen Menschen Platz zu bieten, statt nachhaltige Lebensräume zu schaffen. Die Architektur einer „perfekten Stadt“ braucht biophiles Design, viel natürliches Licht, Ausblicke ins Grüne und eine gute Schalldämmung.

Biophiles Design, also die Einbindung der Natur in die Gestaltung, ist wichtig, um die Serotoninausschüttung zu fördern, eine entspannte Umgebung zu schaffen und den Zugang zu natürlichem Licht zu ermöglichen. In einem Scoping-Review aus dem Jahr 2025 wurden 136 Studien zu biophilem Design ausgewertet. Die Untersuchungen zeigten, dass biophiles Design einen erheblichen Einfluss auf die psychische Erholung hat und Menschen dabei helfen kann, ruhig und entspannt zu bleiben.

Auch Fraktale spielen in der Gestaltung eine wichtige Rolle. Dabei handelt es sich um Muster, die sich in immer kleineren Maßstäben wiederholen. Sie finden sich etwa in Blättern, Blüten oder begrünten Wänden, an denen Pflanzen wachsen. Wenn wir eine Straße entlanggehen, verarbeitet unser Gehirn ständig visuelle Reize. Zu den ersten Dingen, die es wahrnimmt, gehören das Erscheinungsbild, die Schönheit und die Frage, ob ein Anblick visuell befriedigend wirkt. Biophile Fraktale gelten als besonders wirkungsvolle Gestaltungselemente, weil die natürlichen Formen für uns leichter visuell zu verarbeiten sind und unsere visuellen und kognitiven Systeme weniger belasten. Aufgrund ihrer klaren Ästhetik erkennt das Gehirn fraktale Muster besonders schnell. Berühmte Beispiele für fraktales Design sind der Lotustempel in Neu-Delhi und die Alhambra in Spanien. Biophiles Design und die Verwendung natürlicher Fraktale sind daher besonders wichtig.

Fenster können ebenfalls das Wohlbefinden und die Produktivität fördern. In einer Studie mit Patient:innen eines Rehabilitationszentrums verbesserten Fenster – insbesondere solche mit natürlichem Licht und Ausblicken in die Natur – das Wohlbefinden sowie die subjektiv wahrgenommene körperliche und psychische Gesundheit. Eine Übersichtsarbeit zu den Auswirkungen von Fenstern auf das Wohlbefinden kam zu einem ähnlichen Ergebnis: Arbeitsplätze mit Fenstern und Blick ins Grüne steigerten die Arbeitszufriedenheit der Beschäftigten und verringerten ihre Absicht, das Unternehmen zu verlassen. In einer nachhaltigen Stadt würden Schlafzimmer, Rehabilitationszentren, Krankenhäuser und Arbeitsplätze deshalb so gestaltet, dass möglichst viel natürliches Licht durch die Fenster fällt.

Natürliches Licht ist für unser Wohlbefinden besser als künstliches Licht, da Sonnenlicht die Bildung von Vitamin D fördern kann. Vitamin D trägt zu erholsamem Schlaf bei, unterstützt die Gehirnfunktion und das emotionale Gleichgewicht und hilft bei der Regulierung der Stresshormone. Tageslicht sorgt außerdem für eine natürliche Beleuchtung, die die Augen weniger belastet. Sonnenlicht kann das Gehirn auch dazu anregen, Serotonin auszuschütten. Bei der Planung einer nachhaltigen Stadt würde natürliches Licht deshalb Vorrang haben und künstliche Beleuchtung nur dort eingesetzt werden, wo sie notwendig ist.

Auch eine gute Schalldämmung ist von großer Bedeutung. Nach Angaben der Europäischen Umweltagentur sind mehr als 20 % der europäischen Bevölkerung Lärmbelastung ausgesetzt. Diese wird mit zahlreichen gesundheitlichen Problemen in Verbindung gebracht, darunter Herz-Kreislauf-Erkrankungen, psychische Erkrankungen, Diabetes und vorzeitige Todesfälle. Eine Literaturübersicht aus dem Jahr 2024 deutet darauf hin, dass Lärmbelastung Veränderungen im Gehirngewebe verursachen kann, darunter Neuroinflammationen oder eine Fehlregulation von Immunzellen. Schallisolierte Gebäude wären besonders für Schulen und Arbeitsplätze von Vorteil. Sie könnten die schädliche Lärmbelastung während eines großen Teils des Tages reduzieren, den viele Menschen durchschnittlich an fünf Tagen pro Woche an diesen Orten verbringen.

In einer Zeit zunehmender Einsamkeit ist es besonders wichtig, öffentliche Angebote und Infrastrukturen zu betrachten, die unser Wohlbefinden verbessern können. Selbst in den lebhaftesten Städten lassen sich Aspekte der „perfekten Stadt“ verwirklichen: durch Aufenthalte in Grünanlagen, biophiles Design im eigenen Zuhause und die Entscheidung, zu Fuß zu gehen, statt mit dem Auto zu fahren. Solche kleinen Veränderungen können unser Wohlbefinden erheblich verbessern.

Highlight Image:

@ Buddy AN via Unsplash

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