Von Dopamin-Dekor bis zum biophilen Design: Wie Gen Z Interiors neu definiert

Jahrelang wurden Wohnungen so eingerichtet, dass sie sich gut fotografieren ließen. Heute gestalten immer mehr junge Menschen Räume, in denen sie sich einfach wohler fühlen. Mit dem wachsenden Interesse an fröhlichen, stimmungsaufhellenden Interieurs wenden sich viele von der verspielten Energie des Dopamin-Dekors den beruhigenden, regenerierenden Qualitäten des biophilen Designs zu.

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Warum wurde Dopamin-Dekor so beliebt?

Dopamin-Dekor eroberte die Designwelt mit einer Philosophie, bei der Freude und Selbstausdruck im Mittelpunkt stehen. Dieser Stil verwandelt Wohnräume mit leuchtenden Farben, verspielten Mustern und Dekorationen, die persönliche Geschichten oder wertvolle Erinnerungen widerspiegeln. Statt minimalistischen Trends zu folgen, schafft Dopamin-Dekor eine Umgebung, in der jeder Gegenstand Freude auslöst und den Raum mit Energie erfüllt. So wird das Zuhause zu einer Hommage an Individualität und emotionales Wohlbefinden.

Der Trend nahm 2022 Fahrt auf – in einer Zeit nach der Pandemie, in der sich die Menschen nach Jahren der Isolation wieder nach persönlichem Ausdruck sehnten: Jahre, die wir in unseren eigenen vier Wänden, mit Abstandhalten und der gesellschaftlichen Konformität des Maskentragens verbracht hatten. Eng verbunden mit dem Konzept des „Dopamin-Dressings“ – der Idee, dass bestimmte Farben unsere Stimmung beeinflussen können – fand dieser Ansatz schon bald auch seinen Weg in die Innenraumgestaltung und brachte dieselbe aufmunternde Haltung in unsere Wohnräume.

Das Dekorieren mit kräftigen, leuchtenden Farbtönen wurde zu einer Möglichkeit, die Stimmung zu heben. Lebhafte Muster und verspielte Texturen wie Kunstfell und Samt verstärkten zusätzlich die fröhliche, maximalistische Atmosphäre, die Dopamin-Dekor auszeichnet.

minimalist design
@Deconovo via Unsplash

Doch inzwischen zeichnet sich ein Wandel ab. Das Problem des Maximalismus besteht darin, dass er – aus dem Kontext gerissen – schnell zu visueller Ermüdung und Reizüberflutung führen kann. Während ein maximalistisch eingerichtetes Café oder Geschäft unterhaltsam und aufregend wirken mag, kann eine solche Einrichtung in unseren alltäglichen Wohnräumen auf Dauer überladen erscheinen. In der Farbpsychologie gelten Rot, Gelb, Magenta und Orange als anregende Farbtöne. Doch was geschieht, wenn wir uns nach einem langen Arbeitstag zu Hause entspannen möchten, aber jede Wand in einer leuchtenden Farbe gestrichen ist?

Ein weiteres Problem des Maximalismus besteht darin, dass er den übermäßigen Konsum fördert. Ein maximalistisches Ambiente setzt auf Fülle: auf die kreative Ansammlung von Dekorationsgegenständen und Möbeln. Es ist nicht schwer, sich vorzustellen, dass man beim Versuch, diese eklektische Ästhetik zu verwirklichen, schnell in einen Kreislauf gerät, in dem immer neue Wohnaccessoires gekauft werden.

Der Wunsch nach dem emotionalen Wohlbefinden, das hellere, neutralere Farbtöne wie Weiß, Grau und Grün vermitteln, sowie das wachsende gesellschaftliche und ökologische Bewusstsein haben die Verbraucherinnen und Verbraucher von heute dazu bewegt, sich nach Alternativen umzusehen – nach einem Ort, an dem unsere Psyche zur Ruhe kommt und von ständigen Reizen befreit ist.

Der Aufstieg des biophilen Designs

Hier kommt biophiles Design ins Spiel: eine Designphilosophie, die die Grenzen zwischen Innen- und Außenräumen verschwimmen lässt, indem sie Elemente der Natur – etwa reichlich Tageslicht, üppige Pflanzen, Wasserelemente und haptisch ansprechende Naturmaterialien – in unsere Wohnräume integriert. Ihr Ziel ist es, Umgebungen zu schaffen, die geistige Klarheit fördern, Stress reduzieren und zu einem tieferen Wohlbefinden beitragen.

Nach Angaben der University of the Built Environment in Reading, England, zählen die folgenden Projekte zu den besten Beispielen für biophiles Design unserer Zeit:

Das Barbican Centre, London, Vereinigtes Königreich

Das Barbican Centre in London ist wirklich einzigartig. Der in den 1980er-Jahren errichtete Komplex ist für seine markante, von Beton geprägte Architektur bekannt, die mitten in der Stadt kaum zu übersehen ist.

Was das Barbican jedoch so besonders macht, ist die Verbindung des vielen Betons mit üppiger Bepflanzung, ruhigen Seen und kleinen Rückzugsorten für Tiere. Das Highlight ist ein riesiger Wintergarten mit mehr als 1.500 Pflanzen- und Baumarten, der den Ort mitten in London in einen kleinen Dschungel verwandelt.

Apple Park, Kalifornien, USA

Apple Park, der Hauptsitz von Apple im Silicon Valley, steht nicht nur für elegante Geräte und moderne Büros. Auch bei der Verbindung von Natur und zeitgemäßem Design ist der Campus ein echtes Vorzeigeprojekt. Die Kombination aus innovativer Technologie und großzügigen Grünflächen macht ihn zu einem außergewöhnlichen Beispiel für Kreativität und Umweltbewusstsein.

Der gesamte Campus wurde so gestaltet, dass er sich harmonisch in die Landschaft einfügt, und ist von einem gewaltigen Ring aus fast 9.000 Bäumen umgeben. In seiner Mitte befindet sich ein großer, grüner Innenhof mit heimischen Pflanzen, der auch Lebensraum für Tiere bietet. Hier kann man eine Pause einlegen, frische Luft schnappen und sich von der vielen Bildschirmzeit erholen – und das mitten im Zentrum technologischer Innovation.

Jewel, Singapur

Jewel in Singapur ist weit mehr als nur ein Einkaufszentrum am Flughafen: Es ist ein riesiger Indoorpark, in dem man umgeben von Natur einkaufen, essen und Zeit verbringen kann. Die Hauptattraktion ist der Rain Vortex, ein 40 Meter hoher Wasserfall, der wie aus einem Science-Fiction-Film wirkt. Rund 100.000 Pflanzen sorgen überall für eine wilde, grüne Atmosphäre und verkörpern zugleich Singapurs große Vision, eine echte „Stadt in einem Garten“ zu sein.

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@Declan Sun via Unsplash

Was die Wissenschaft dazu sagt

Eine Studie aus dem Jahr 2022 zeigt, dass biophiles Design tatsächlich positive Auswirkungen auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden haben kann. Fachleute unterteilen biophiles Design üblicherweise in drei Hauptkategorien. Die erste ist die „Natur im Raum“. Dabei geht es darum, die Außenwelt nach drinnen zu holen – etwa durch Topfpflanzen, begrünte Wände oder große Fenster, die den Blick auf Bäume und Gärten freigeben. Die zweite Kategorie, die „Natur des Raumes“, konzentriert sich darauf, natürliche Strukturen und Erlebnisse innerhalb eines Zimmers nachzuahmen. Dazu können Möbel so angeordnet werden, dass gemütliche, geborgene Rückzugsorte entstehen, oder eine Beleuchtung zum Einsatz kommen, die sich im Laufe des Tages verändert und den natürlichen Rhythmus widerspiegelt. Bei der dritten Kategorie, den „natürlichen Analogien“, werden Farben, Formen, Texturen oder Materialien verwendet, die an die Natur erinnern – beispielsweise Holzmaserungen, Blattmuster oder Erdtöne. So entsteht auch ohne echte Pflanzen eine naturnahe Atmosphäre.

Darüber hinaus lässt sich biophiles Design mit bestimmten Gestaltungselementen kombinieren und so an unterschiedliche individuelle Bedürfnisse anpassen:

Für Menschen, die unter Migräne leiden, kann es hilfreich sein, auf Gestaltungselemente wie grünes LED-Licht, beruhigende Düfte im Rahmen einer Aromatherapie und bequeme Möbel zu setzen, die Entspannung und Erholung fördern.

Bei chronischen Schmerzen kann eine Raumgestaltung, die zu sanfter körperlicher Aktivität anregt, einen positiven Unterschied machen – etwa durch eigens eingerichtete Bereiche zum Dehnen oder für Yoga. Natürliches Licht, beruhigende Musik sowie Plätze zum Meditieren oder Entspannen tragen ebenfalls zu einer unterstützenden Umgebung bei.

Für Menschen mit Depressionen lässt sich biophiles Design durch Bereiche für Yoga und Meditation, eine dynamische Beleuchtung, Musik und beruhigende Düfte im Rahmen einer Aromatherapie ergänzen. Diese Elemente können dazu beitragen, zu Hause eine aufmunternde und zugleich wohltuende Atmosphäre zu schaffen.

„Wir sind bestrebt, die Grundfläche eines Gebäudes auf ein Minimum zu reduzieren und so mehr Raum für Vegetation, Wasserelemente, Biodiversität und Gemeinschaftsflächen zu schaffen. Für uns ist die Natur ein wesentlicher Bestandteil der städtischen Infrastruktur – ebenso wichtig wie Verkehr, Versorgungsnetze oder Energiesysteme.“

— Nguyen Hoang Manh, Gründer und leitender Architekt des MIA Design Studio.

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@Bernd Dittrich via Unsplash

Nachhaltigkeit jenseits der Ästhetik

Dem Journal of Biophilic Design zufolge verfolgt die biophile Architektur einen ganzheitlichen Ansatz, um Wohnräume gesünder und nachhaltiger zu gestalten.

Durch die Verwendung natürlicher Materialien wie Holz, Bambus oder Kork für Möbel und Böden wirken Innenräume wärmer und einladender. Gleichzeitig lässt sich der Einsatz aggressiver Chemikalien reduzieren und der Ausstoß von Emissionen senken.

Begrünungen – von lebenden Pflanzenwänden bis hin zu schattenspendenden Bäumen – tragen ebenfalls zur Kühlung bei und fördern die heimische Tierwelt, selbst in städtischen Gebieten. Wasserdurchlässige Flächen und Regengärten ermöglichen einen natürlichen Umgang mit Regenwasser und verringern dadurch das Überschwemmungsrisiko. Die optimale Nutzung des Tageslichts durch größere Fenster oder Oberlichter reduziert zudem den Bedarf an künstlicher Beleuchtung und spart Energie.

Zusammen schaffen diese Entscheidungen Räume, die nicht nur schön und beruhigend wirken, sondern auch aktiv zu einer gesünderen Umwelt für Mensch und Natur beitragen.

Vielleicht geht es bei der Zukunft der Innenraumgestaltung nicht darum, ein Zuhause zu schaffen, das andere beeindruckt, sondern um Räume, in denen Menschen wirklich aufblühen können. Während sich die Generation Z vom Dopamin-Dekor abwendet und sich dem biophilen Design zuwendet, werden Komfort, Wohlbefinden und Nachhaltigkeit ebenso wichtig wie Stil. Das zeigt: Die besten Wohnräume sind diejenigen, in denen wir uns wohlfühlen – und nicht nur solche, die gut aussehen.

 

Hightlight Image:
© Veer Mickey via Unsplash

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