Papierkünstler:innen to watch: Paper Positions 2026
Entdecken Sie die wichtigsten Künstler:innen der paper positions berlin 2026. Stimmen, die Papier im kreativen Herzen Berlins in Erinnerung, Widerstand, Schönheit und zeitgenössisches Denken verwandeln.
Zeitgenössische Kunst in Berlin rückt erneut ins Rampenlicht, wenn die paper positions berlin 2026 ihr zehnjähriges Jubiläum im ikonischen Flughafen Tempelhof feiert. Parallel zum Gallery Weekend Berlin bringt diese führende Berliner Kunstmesse internationale Galerien, aufstrebende Künstler:innen, moderne Kunst, Zeichnung, Fotografie und experimentelle Arbeiten auf Papier zusammen.
Für Sammler:innen, Designliebhaber:innen und alle, die nach den besten Kunstausstellungen in Berlin 2026 suchen, eröffnet diese Ausgabe eine kraftvolle Begegnung mit Künstler:innen, die visuelle Kultur durch Identität, Erinnerung, materielle Innovation und emotionale Tiefe neu definieren. Bevor die Massen kommen, sind dies die Namen, die Sie im Blick behalten sollten.



Die Perspektive auf Papierkunst verändern
Carmen Schaich
Manche Künstler:innen zeichnen Linien. Carmen Schaich zeichnet Brüche. Ihre Sprache entsteht aus Aufprall, zerbrochenem Glas und jenem Moment, in dem etwas aufbricht und unerwartete Schönheit sichtbar wird. Zwischen technischer Präzision und zurückhaltender Gewalt verwandelt ihr Werk Zerstörung in visuelle Poesie.
Carmen Schaich (geboren 1987 in Stuttgart) arbeitet an der Schnittstelle von Präzision und Zerstörung. Aus einem Prozess heraus, der zugleich kontrolliert und radikal erscheint, bewegt sich ihr Werk zwischen technischer Perfektion und der Auseinandersetzung mit blinder Gewalt. Glas wird zum Medium, Einschläge werden zu Linien und so verwandeln sich Brüche und Kollateralschäden in Zeichnungen. Für diese einzigartige Ausdrucksform hat die Künstlerin ihre eigene Tiefdrucktechnik entwickelt: die Glasätzung.
Sie wird bei der paper positions berlin 2026 von der Petra Rinck Galerie aus Düsseldorf präsentiert.
Kubra Khademi
Kubra Khademi (geboren 1989 in Afghanistan) arbeitet in einem Bereich, in dem der Körper zu einer politischen Waffe und zu einem Akt der Rebellion und des Widerstands wird. Ihre Kunst ist eine Antwort auf die systematische Unsichtbarkeit von Frauen und auf die brutale Realität des Exils. Mit der archaischen Kraft mythologischer Erzählungen und der Provokation der Performance schafft sie Werke, die die Grenzen von Scham, Macht und Freiheit radikal neu definieren. In einer bewusst naiven Ästhetik verwandelt sie das Persönliche in das Politische und Unterdrückung in eine Plattform für eine unaufhaltsame Stärke, die über Afghanistan hinausweist und weltweit Resonanz findet.
In den Händen von Kubra Khademi hört der Körper auf, eine Grenze zu sein, und wird zum Manifest. Ihr Werk spricht von Exil, zum Schweigen gebrachten Frauen und zurückeroberter Würde. Mit symbolischer Kraft und leuchtendem Mut verwandelt sie Verletzlichkeit in sichtbare Macht.
Die Künstlerin wird bei der paper positions berlin 2026 von der Galerie Éric Mouchet aus Paris präsentiert.
Annegret Soltaus Fotografie wird zu einem Werkzeug, um Schmerz und Leid sichtbar zu machen. Ihr Werk gleicht einer radikalen Sektion des Selbst, in der ihr eigenes Gesicht und ihr Körper dargestellt, mit schwarzem Faden vernäht, gebunden und neu zusammengesetzt werden.

Annegret Soltau
Annegret Soltau näht Erinnerung auf die Haut des Bildes. Gesichter, von schwarzem Faden durchstochen, neu zusammengesetzte Identitäten, Wunden, die zu Sprache werden. Ihr Werk konfrontiert und berührt, weil es uns daran erinnert, dass tiefe Schönheit oft die Form von Narben kennt.
Im Werk von Annegret Soltau (*1946 in Lüneburg) wird Fotografie zu einem Werkzeug, um Schmerz und Leid sichtbar zu machen. Ihr Werk gleicht einer radikalen Sektion des Selbst, in der ihr eigenes Gesicht und ihr Körper dargestellt, mit schwarzem Faden vernäht, gebunden und neu zusammengesetzt werden. Die aggressiven Einstiche der Nadel und die obsessive Struktur des Nähfadens lassen Arbeiten entstehen, die Vorstellungen von Identität, Mutterschaft und weiblicher Fragmentierung schonungslos offenlegen. Es ist ein kompromissloser Ansatz, der Traumata sichtbar macht und Verletzungen in Stilmittel und grafische Spuren verwandelt.
Die Künstlerin wird bei der paper positions berlin 2026 von der Galerie Bachlechner aus Graz präsentiert.
A.R. Penck
Die gezeigten Unikate von A.R. Penck (geboren 1939 in Dresden; gestorben 2017 in Zürich) eröffnen einen ungefilterten Einblick in sein frühes Schaffen. Lange bevor er mit seinen „Systembildern“ weltberühmt wurde, schuf er Porträtskizzen von nervöser Unmittelbarkeit, in denen jeder Strich schon damals genau dort saß, wo er sitzen sollte. Die Hamburger Galerie Holthoff präsentiert diesen seltenen Fund von intensiver Bedeutung: Kohlezeichnungen aus den späten 1950er-Jahren, die Penck mit schnellen, suchenden Linien direkt über die bedruckten Seiten alter Bücher setzte. Das Medium seiner künstlerischen Selbstbehauptung ist das Papier, gefunden, benutzt und für eindrucksvolle Zeichnungen neu bestimmt. In ihnen setzt sich die menschliche Physiognomie der dargestellten Personen gegen die Starrheit der gedruckten Typografie durch. Diese frühen Arbeiten halten den Moment fest, in dem eine Skizze zu einem existenziellen Kunstwerk wird.
Der Künstler wird bei der paper positions berlin 2026 von der Galerie Holthoff aus Hamburg vertreten.
Vor der weltweiten Anerkennung stand der reine Instinkt. Die frühen Zeichnungen von A.R. Penck zeigen den Künstler in seinem elementaren Zustand. Schnelle Linien, dringliche Gesichter, unmittelbares Denken auf gefundenen Seiten. Der Augenblick, in dem eine Suche zum Schicksal wird.



Stefanie Moshammer
Zwischen dem Intimen und dem Gesellschaftlichen schafft Stefanie Moshammer Bilder, die verführen und verunsichern. Farbe, Textur, zeitgenössische Spannung. Ihre Fotografien dokumentieren die Wirklichkeit nicht einfach. Sie legen sie frei, beleuchten sie und stellen sie infrage.
Stefanie Moshammer (geboren 1988 in Wien) bewegt sich in ihrem Werk zwischen zutiefst persönlichem Storytelling und einer fiebrigen Dokumentation unserer Gegenwart. In ihren Bildwelten verschmelzen die Grenzen zwischen konkreter Erfahrung und ästhetischer Inszenierung zu einer einzigartigen, intensiv verdichteten Realität. Statt flüchtige Momente nur festzuhalten, nutzt die österreichische Künstlerin Fotografie als Forschungsinstrument. Durch den bewussten Einsatz von Licht, extremer Farbsättigung und Texturen verwandelt sie das Papier, auf dem sie ihre Bilder druckt, in einen Speicher für Themen wie Identität, Sehnsucht und globale digitale Transformation. Mit ihrer Kamera seziert Moshammer die verborgenen Schichten unseres Alltags und macht die Spannungen zwischen privater Intimität und gesellschaftlichen Brüchen für die Betrachtenden zugänglich.
Die Künstlerin wird bei der paper positions berlin 2026 von der Galerie Roberta Keil aus Wien vertreten.
Gottfried Honegger
In Zeiten des Lärms schenkt Gottfried Honegger Klarheit. Geometrie, Rhythmus, Balance. Sein Werk beweist, dass Ordnung uns ebenfalls bewegen kann und dass Einfachheit, wenn sie aus dem Denken geboren ist, eine ewige Eleganz besitzt.
Gottfried Honegger, geboren 1917 in Zürich und 2016 in Zürich gestorben, arbeitete an der Schnittstelle von mathematischer Logik und künstlerischer Freiheit. In einem Werk, das strenge Geometrie mit dem Zufall verwebt, schuf er Arbeiten von nahezu meditativer Klarheit, die absolut zeitlos wirken. Als Mitbegründer der Zürcher Konkreten Kunst betrachtete er Raster nicht als Gefängnis, sondern als Form der Befreiung. Durch die präzise Manipulation von Volumen, Struktur und Farbe wird Papier zu einer visuellen Disziplin, die sich der Beliebigkeit widersetzt. Auf der Suche nach der absoluten Form radikalisierte Honegger den Prozess des „Pliage“ und die computergestützten Zufallsberechnungen seiner Zeit und machte die Ordnung der Welt für uns greifbar.
Der Künstler wird bei der paper positions berlin 2026 von der Brita Prinz Arte Gallery aus Madrid vertreten.

Paper Positions 2026
Vom 30. April bis zum 3. Mai 2026 wird der Flughafen Tempelhof zu einem zeitgenössischen Schutzraum, in dem Papier in vielen Sprachen spricht. Parallel zum Gallery Weekend Berlin präsentieren internationale Galerien Arbeiten, die die Grenzen von Zeichnung, Fotografie, Collage und materialbezogener Experimentation erweitern.
Mehr als eine Kunstmesse fühlt sich diese Ausgabe wie ein stilles Statement an. In einer Zeit, die von schnellen Bildschirmen beherrscht wird, erinnert uns Papier einmal mehr an den Wert von Geste, Textur, Pause und menschlicher Spur.
Manche Ausstellungen besucht man. Andere, wie etwa Fashion Positions Berlin, bleiben lange nach dem Verlassen im Gedächtnis.
Hightlight Image:
©Annegret Soltau