Snake

Warum Hautpflege mit Vipern­gift moderne Anti-Aging-Behandlungen revolutioniert

Hautpflege mit Viperngift gewinnt zunehmend an Aufmerksamkeit: Ihre wirkungsvollen Peptide können dazu beitragen, Falten zu glätten, die Hautfeuchtigkeit zu erhöhen und ein gesünderes Hautbild zu fördern. Doch wie funktioniert sie wirklich? Und ist sie ethisch vertretbar?

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Warum Hautpflege mit Viperngift?

Schlangengift besteht größtenteils aus Proteinen und Peptiden, die 90 bis 95 Prozent seines Gesamtgehalts ausmachen. Darüber hinaus enthält es sehr geringe Mengen an Metallionen, Fetten und Zuckern. In Medizin und Pharmazie ist es Forschenden gelungen, die Proteine des Schlangengifts für die Entwicklung von Medikamenten zu nutzen. Dazu gehören Captopril und Enalapril, die zur Senkung von Bluthochdruck eingesetzt werden, sowie Tirofiban und Eptifibatid, die gefährlichen Blutgerinnseln vorbeugen. Ein weiterer Wirkstoff, Batroxobin, kommt bei der Behandlung bestimmter Blutkrankheiten zum Einsatz. Medizinisches Fachpersonal nutzt diese Proteine außerdem in diagnostischen Tests, um die Blutgerinnung zu untersuchen und bestimmte Werte wie die Antithrombinaktivität und den Fibrinogenspiegel zu bestimmen. Die bekannteste Verwendung von Viperngift ist jedoch die Herstellung von Gegengiften – denn laut Weltgesundheitsorganisation werden weltweit jedes Jahr schätzungsweise 5,4 Millionen Menschen von Schlangen gebissen.

In der Kosmetikindustrie werden Schlangengiftpeptide aufgrund ihrer Wirkung auf die Gesichtsmuskulatur eingesetzt. Diese Peptide können die Muskeln unter der Haut sanft entspannen und so dazu beitragen, Falten und feine Linien zu glätten. Dadurch kann die Haut jünger und frischer wirken. Zusätzlich zu diesem Anti-Aging-Effekt können Schlangengiftpeptide die Haut dabei unterstützen, Feuchtigkeit zu speichern, sodass sie hydratisierter und gesünder erscheint. Aus diesen Gründen sind sowohl natürliche als auch synthetische Schlangengiftpeptide zu beliebten Inhaltsstoffen moderner Hautpflegeprodukte geworden.

Viperngift: ethische Bedenken

Eine in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Nature Protocols veröffentlichte Studie erklärt, dass rohes Schlangengift traditionell durch das behutsame „Melken“ der Tiere gewonnen wird. Mit dieser Methode lassen sich die größten Giftmengen gewinnen und das gesamte Spektrum der von der Schlange abgesonderten Toxine erfassen. Da die Nachfrage jedoch steigt oder bestimmte Toxinmischungen benötigt werden, erforschen Wissenschaftler:innen neue Möglichkeiten, Schlangengift im Labor herzustellen. Ein vielversprechender Ansatz basiert auf Organoiden. Dabei handelt es sich um winzige, im Labor gezüchtete Nachbildungen der Giftdrüsen von Schlangen. Diese Organoide können so verändert werden, dass sie Gift mit einer präzise definierten Zusammensetzung produzieren, wodurch sich einzelne Toxine leichter anpassen lassen.

Der Zoologe Yussef Rafik zeigt, dass die Giftentnahme bei Schlangen ein anspruchsvoller und komplexer Vorgang ist. Zunächst muss die Schlange vorsichtig und sicher fixiert werden, damit weder das Tier noch die mit ihm arbeitende Person verletzt wird. Anschließend kann die Entnahme beginnen. Das Maul der Schlange wird behutsam über einem mit einer Membran abgedeckten Gefäß positioniert. Die Schlange wird dazu gebracht, in die Membran zu beißen. Durch sanften Druck auf ihren Kopf helfen Fachleute dabei, das Gift in das Auffanggefäß abzugeben.

Obwohl der Zoologe Rafik betont, dass das Melken „bei korrekter Durchführung unschädlich“ sei, haben Forschende auch spezielle Zelllinien aus den Giftdrüsen von Schlangen entwickelt. Diese Zellen können über lange Zeiträume – mitunter Monate oder sogar Jahre – im Labor kultiviert werden und verursachen dabei geringere Kosten als Organoide. Zelllinien erreichen zwar nicht deren vollständige Komplexität, produzieren jedoch ebenfalls eine gewisse Menge Gift. Ein wesentlicher Vorteil von Organoiden besteht darin, dass sie adulte Stammzellen erhalten. Dadurch können die Kulturen über längere Zeit aufrechterhalten und bei Bedarf genetisch verändert werden. Dies eröffnet neue Möglichkeiten, Schlangengift ethisch vertretbarer und effizienter herzustellen.

Snake in nature
@Zachary Young via Unsplash

Viperngift und unser Ökosystem

Eine im Journal of Entomology and Zoology Studies veröffentlichte Studie zeigt, dass Industrieverschmutzung und belastete Luft die Wirkungsweise von Schlangengift verändern können. Leben Schlangen wie die Transkaukasische Levanteotter (Vipera lebetina obtusa) in Gebieten mit hoher industrieller Abfall- und Luftbelastung, wirkt sich dies auch auf ihr Gift aus. Die Zusammensetzung der darin enthaltenen Toxine kann variieren, sodass es möglicherweise anders wirkt oder eine andere Beschaffenheit aufweist als das Gift von Schlangen aus weniger belasteten Regionen. Diese Umweltveränderungen müssen insbesondere dann berücksichtigt werden, wenn Schlangengift in der Medizin oder Forschung eingesetzt wird.

Sollten die Schlangenpopulationen in einigen Regionen weiter zurückgehen, hätte dies zudem spürbare Folgen für die lokalen Ökosysteme. Schlangen spielen eine wesentliche Rolle bei der Aufrechterhaltung des natürlichen Gleichgewichts: Sie halten unter anderem Nagetierpopulationen in Schach und tragen so dazu bei, die Ausbreitung von Krankheiten einzudämmen. Bei manchen Arten könnte sich das natürliche Verbreitungsgebiet um bis zu 70 Prozent verkleinern. Dies würde sie ernsthaft gefährden und das Gleichgewicht ihrer Lebensräume zusätzlich beeinträchtigen.

Snake milking
@Aditya Rizqiqa Ramadhan via Unsplash

Schlangengift für unsere Haut: eine gute Wahl?

Peptide spielen bei vielen natürlichen Prozessen, die unsere Haut beeinflussen, eine zentrale Rolle. Dazu gehören das Wachstum, die Wanderung und die Regeneration von Hautzellen ebenso wie die Regulierung von Entzündungen und die Bildung von Pigmenten und Proteinen. Diese kurzen Aminosäureketten sind an wichtigen Funktionen beteiligt, etwa an der Abwehr des Körpers, der Unterstützung des Immunsystems, der Aufrechterhaltung des Hautgleichgewichts und sogar an der Fortpflanzung. Die Kosmetikindustrie begann 1973 mit dem Einsatz von Peptiden, als der Forscher Loren Pickart ein synthetisches Peptid namens GHK vorstellte, das die Kollagenproduktion anregen und Kupfer in die Hautzellen transportieren kann. Einer breiteren Öffentlichkeit wurden Peptide in der Hautpflege jedoch erst Anfang der 2000er-Jahre bekannt, als Palmitoyl-Pentapeptid-4 als Wirkstoff zur Minderung von Gesichtsfalten eingeführt wurde. Diese Studien zeigen, dass Viperngift ein hochwirksamer Anti-Aging-Wirkstoff für die moderne Hautpflegeroutine sein kann.

Dennoch ist es unerlässlich, die ethischen Aspekte der Giftgewinnung zu berücksichtigen. Untersuchungen zeigen, dass die Gewinnung und Reinigung von natürlichem Viperngift ein komplexer und kostspieliger Prozess ist, der häufig zu höheren Preisen der Endprodukte führt. Daher erfreuen sich synthetische Alternativen wie SYN-AKE® in der Hautpflege zunehmender Beliebtheit. Diese im Labor hergestellten Peptide wurden entwickelt, um die Wirkung echten Viperngifts nachzuahmen, sind jedoch deutlich günstiger und können ethisch vertretbarer produziert werden. Synthetische Alternativen bieten Marken somit eine praktischere und kostengünstigere Möglichkeit, solche Produkte einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.

Hautpflege mit Viperngift bewegt sich im Spannungsfeld von Wissenschaft, Ethik und Innovation. Die enthaltenen Peptide zeigen vielversprechende Ergebnisse bei der Minderung von Alterserscheinungen und der Verbesserung des Hautbildes. Bedenken hinsichtlich der Giftgewinnung und Nachhaltigkeit bewegen die Branche jedoch dazu, verstärkt auf synthetische Alternativen wie SYN-AKE® zu setzen. Mit fortschreitender Forschung dürfte die Zukunft der Anti-Aging-Hautpflege davon abhängen, Wirksamkeit mit ethisch vertretbaren, im Labor entwickelten Lösungen zu verbinden, die leichter zugänglich und umweltverträglicher sind.

Titelbild:
© Timothy Dykes via Unsplash

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